Das amerikanische Wahlsystem mag vor 250 Jahren in einem ländlich geprägten Land sehr viel Sinn gemacht haben, doch mit den demographischen und industriellen Veränderungen seither wird es immer mehr zu einem Anachronismus und vor allem zu einem undemokratischen und käuflichen System. Bekanntermaßen bestimmen Wahlmänner die Präsidentschaft und ein „Winner-takes-it-all“-Modell die Zusammensetzung des US-Kongress, die nur beschränkt die wahren Stimmverhältnissen und schon gar nicht die Bevölkerungsverteilung berücksichtigen. Bevölkerungsreiche Bundesstaaten wie Kalifornien oder New York werden da systematisch in ihrer Stimmkraft benachteiligt. Und wo das einer Partei noch keinen Vorteil liefert, kann man künstlich nachhelfen.
Eine dieser „Nachhilfen“ ist das sogenannte „Gerrymandering„, bei dem Wahlkreise so definiert werden, dass sich eine Minderheit eine Mehrheit sichern kann. Das hat lange Tradition und war ursprünglich rassistisch motiviert gegen schwarze Bevölkerungsteile in den Südstaaten gerichtet, um die weiße Bevölkerung in der Mehrheit und der Regierung zu halten. Mehr dazu hier in diesem Beitrag. Nun aber wollen die Republikaner in Texas ihre dort wackelige Mehrheit zementieren, indem sie einfach fünf neue Abgeordnete für den US-Kongress schaffen und sich und einem republikanischen US-Präsidenten somit dauerhaft die Mehrheit sichern. Die Demokraten in Kalifornien wollen dagegen halten und haben ebenso Pläne verabschiedet, im Gegenzug zusätzlich 5 demokratische Abgeordnete in den US-Kongress zu entsenden. Der Konflikt ist vorprogrammiert..
Wie funktioniert aber Gerrymandering? In der folgenden Grafik ist in A die Verteilung von Rot und Blau zu sehen. Rot hat 40% Anteil, Blau 60%. Bei einem Mehrheitswahlrecht gewinnt somit automatisch Blau. Wird das System auf Wahlkreise umgestellt wie in B, wo jeder Wahlkreis automatisch an die Mehrheit fällt, dann gewinnt in den fünf gleich verteilten Wahlkreisen wiederum Blau. Jeder einzelne der fünf Wahlkreise fällt Blau zu. Im Beispiel C werden die Wahlkreise aber so gezogen, dass es zwei ausschließlich blaue gibt, und drei, in denen Rot immer die Mehrheit hat. Damit gewinnt Rot drei Wahlkreise, Blau nur zwei.

Dieses vereinfachte Beispiel zeigt anschaulich die Funktionsweise von Gerrymandering. In der folgenden Grafik zeigt sich, welche Formen Gerrymandering annehmen kann, wenn einzelne Bundesstaaten und die dort dominierende Partei die Chance hat, die Wahlkreise neu zu ziehen. Sie kann das in einer Weise machen, dass bizarr geformte Wahlkreise entstehen. Einzige Bedingung ist dabei oft, dass der Wahlkreis zusammenhängen muss, deshalb sind oft solche Konstrukte zu sehen, wo ganze dünne, oft nur entlang einer Straße mit einander verbundene größere Teile von Minderheitswählern zu einer Mehrheit in diesem Teil werden.

Mittlerweile gibt es sogar mathematische Verfahren, die Gerrymandering nachweisen können. Das ist hilfreich für Richter, die über die Fairness von neu gezogenen Wahlkreisen zu entscheiden haben.
Während Gerrymandering in den USA schon seit den 1800er Jahren stattfindet, scheint nun diese Unart einen Schub zu erhalten. Der Streit in Texas, der sogar dazu führte, dass die demokratischen Abgeordneten die Abstimmung boykottierten und aus dem Bundesstaat reisten, um an der Abstimmung nicht teilnehmen zu müssen, eskalierte damit. Hier will sich Präsident Trump eine dauerhafte Mehrheit für die Republikaner sichern, denn die nächsten Halbzeitwahlen stehen im Herbst 2026 bevor, und bis dahin müssen neue Wahlkreise gezogen sein. Die Republikaner sehen sich dazu genötigt, weil viele Umfragen darauf hindeuten, wie unpopulär Trumps Executive Orders, Elon Musks DOGE-Aktivitäten oder das Big Beautiful Bill geworden sind, und damit eine Wende bevorstehen könnte, die Trump zu einer „lame duck“ machen könnten.