Heute muss man „Bio“ draufschreiben, und früher einfach nur „Geflügel“ und „Ei“?

Waren Lebensmittel früher natürlicher und damit impliziert besser, als die, die auf unserem heutigen Speiseplan stehen und mit vielen Zusatzstoffen versehen und viel zu verarbeitet scheinen? Früher gab’s doch auch kein „Bio“, und doch waren Lebensmittel natürlicher? Sollen wir also zurück in die Vergangenheit und den ganzen technischen Firlefanz, den wir mit Lebensmitteln heute anfangen, wegschmeißen?

Die Biomedizinerin Hannah Samira Schmidt spricht in einem LinkedIn-Post über genau dieses Empfinden, das heutige Lebensmittel bei ihr hervorrufen.

Es ist schon verrückt, dass wir heute Dinge kennzeichnen müssen, die früher die unausgesprochene Norm waren. 👀
Bio-Lebensmittel hießen früher nicht „Bio“.
Es war einfach nur Essen.
Eier und Geflügel aus Freilandhaltung hieß früher nicht Freilandhaltung.
Sie waren einfach nur Eier und Geflügel.
Unsere Lebensmittelgeschäfte sind voll von extrem verarbeiteten, lebensmittelähnlichen Substanzen. Nach echten Lebensmitteln muss man regelrecht suchen! Ich würde niemals mehr einen Artikel kaufen, ohne zuvor die Zutatenliste gecheckt zu haben. Seitdem ich mich mehr mit Marketing beschäftige, lässt mich Werbung ebenfalls kalt.
Der Witz dabei:
1️⃣ Marketing-Claims wie “Low-fat” suggerieren dem Verbraucher “gesund”, eigentlich lenken sie aber nur davon ab, was tatsächlich für Zusatzstoffe im Produkt sind, die alles andere als gesund sind.
2️⃣ Je unverarbeiteter das Produkt, also je weniger damit gemacht wurde, desto teurer ist es.
3️⃣ Greenwashing und Healthwashing
👉 Können wir bitte wieder mehr die Natur ihr Ding machen lassen?
Mit Sicherheit würden dann einige Krankheiten – die wir wahrscheinlich sogar zum Teil dadurch erschaffen haben – endlich sinken.
Food is medicine, in case it is REAL food

Sie hat recht: Bio gab es früher nicht, denn es war fast alles natürlich produziert worden. Der Dünger für die Felder beispielsweise bestand rein aus tierischen und menschlichen Exkrementen. Ganze Berufsgruppen verdienten ihren Lebensunterhalt mit dem Einsammeln von Kot, wie Rossäpfeln auf den Straßen der Städte, die Kraxenweiber, die eine Butte am Rücken trugen und in die man gegen Entgelt auf der Straße hinein urinieren konnte, oder diejenigen, die den sterilen Urin zum Wäschewaschen sammelten.

Künstlicher Dünger kam erst mit der Erfindung des Haber-Bosch-Verfahrens Anfang des 20. Jahrhunderts, der die Ernteerträge schlagartig um das Siebenfache erhöhte und die wachsende Menschheit vor dem Hungertod bewahrte. Die Haltbarmachung von Lebensmitteln war über Jahrtausende ein Problem. Das Fleisch erlegter Tiere konnte nur bedingt haltbar gemacht werden, das meiste verrottete, sobald der Hunger gestillt war. Auf frisches Obst und Gemüse musste im Winter oder auf einer langen Seefahrt verzichtet werden., auch wenn gepökeltes Fleisch oder Sauerkraut durch Salz und andere Stoffe helfen konnten, zumindest ein paar Vitamine und Nährstoffe auch in kargen Zeiten zu haben.

Und wenn die Menschen schon nicht damit zu kämpfen hatten, dann kamen Ungeziefer und und Pflanzenkrankheiten hinzu, die Ernten vernichteten oder eingelagerte Lebensmittel ungenießbar machten. Wir können uns vorstellen, was das für die hygienischen Zustände und damit der Gesundheit der Menschen bedeutet hat. Die Lebenserwartung lag 1900 bei 40 bis 45 Jahren, heute ist sie mit etwa 80 Jahren fast doppelt so hoch. Auch wenn wir meinen, es gäbe zu viele Krankheiten, so treten heute andere Krankheiten auf als um 1900, die wiederum erst durch die höhere Lebenserwartung bedingt sind. Standardkrankheiten, die um 1900 zum zumeist sicheren Tod oder einer körperlichen Beeinträchtigung geführt haben, sind heute behandel- und heilbar und sogar fast vergessen. Der technische Fortschritt hat uns vorwiegend gesünder, nicht kränker gemacht.

Mit anderen Worten: die Natur war und ist nicht der Freund der Menschheit. Sie versucht uns ständig auf die eine oder andere Weise umzubringen.

Erst als die Menschheit lernte, die Natur zu beeinflussen und über Jahrtausende hinweg Pflanzen- und Tierarten durch gezielte Züchtungen ertragreicher und resistenter zu machen, konnte der wie ein Damoklesschwert ständig über den Menschen hängende Hungertod oder Mangelernährung langsam abgewendet werden. Heute leben beispielsweise in absoluten Zahlen weniger von den 8 Milliarden Menschen in Hunger und Armut als um 1900, als es 1,5 Milliarden Menschen am Planeten lebten. Weniger als 700 Millionen Menschen sind heute von Hunger und Armut betroffen, um 1900 waren es um die 900 Millionen.

Der Grund hat mit dem technischen Fortschritt zu tun, der großteils Gutes geschaffen, uns aber auch einiges an Schlechtem gebracht hat. Ausreichende Düngemittel brachten uns auch den Abfluss von Zuviel des Düngers in unsere Gewässer. Wachstumshormone in Tieren führen zu unerwünschten Nebeneffekten beim Menschen. An Tiere verfütterte Antibiotika – um sie gesund zu halten – brachten uns eine Antibiotika-Resistenz der Keime. Konservierungsstoffe verändern den Geschmack von Früchten und können schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Konsumenten ausüben.

Dabei sind die Nahrungsmittel heute besser, gesünder und billiger, als je zuvor.

Die Qualität der Produkte

Die Qualität der Produkte und Dienstleistungen ist heute fast immer höher, als unsere Vorfahren erwarten und verlangen durften. Ein bekanntes Beispiel ist künstliches Licht. Darüber denken wir heute gar nicht mehr nach, so selbstverständlich ist uns der Gebrauch geworden. Und schon gar nicht denken wir über den Preis nach, wenn wir einen Lichtschalter umlegen oder Alexa auffordern, das Licht einzuschalten. Vor 200 Jahren gingen für die Menschen bis zu 20 Prozent ihres Einkommens für Licht drauf, nur damit sie etwas länger als es die Natur erlaubte, lesen oder arbeiten konnten.

Heute sind es Bruchteile von Bruchteilen von Cent, und das bei einer viel höheren Qualität des erhaltenen Lichts, wie es der amerikanische Ökonom William D. Nordhaus in einer Arbeit aus dem Jahr 1998 berechnete. Man beachte dabei die logarithmische Y-Skala.

Der Preis von Licht über die Jahrhunderte in Cent pro 1.000 Lumenstunden

Die Beleuchtungsmethoden bis ins 19. Jahrhundert gaben nicht nur schlechtes Licht, sie waren zeitaufwendig herzustellen, benötigten ständige Überwachung, damit sie nicht ausgingen oder unabsichtlich ein Feuer entfachten, verpesteten die Zimmerluft mit ihrem Gestank und führten zu Rußablagerungen in den Räumen und schlimmer, zu Lungenkrankheiten.

Auch die Qualität der damaligen Lebensmittel folgte in den Fußstapfen der Beleuchtungsmethoden: sie war oft schlecht. Reisen zu tätigen war ein Hasardspiel, denn entweder war man mangelernährt, wie es Seefahrern oft mit Skorbut erging, oder eine Einkehr in einer Schenke konnte oft die letzte Station eines Reisenden gewesen sein, wenn verseuchtes Essen serviert wurde. Und das geschah häufiger als man heute meinen wollte, wie das Beispiel der Typhus-Mary um 1900 zeigte.

Der Amsterdamer Chirurg Arnold van de Laar spricht in seinem Buch Schnitt! Die ganze Geschichte der Chirurgie erzählt in 28 Operationen von einer sehr häufigen Erkrankung, die jahrhundertelang die Menschen geplagt hat und heute vergleichsweise selten auftritt: Magenkrebs.

Schnitt! Die ganze Geschichte der Chirurgie erzählt in 28 Operationen

Ein Tumor am Magenausgang war damals eine der häufigsten Krebserkrankungen. Warum das heute anders ist, wissen wir nicht genau. Wahrscheinlich ist es der Erfindung des Kühlschranks zu verdanken. Ein wichtiger Faktor für die Entstehung von Magenkrebs in Höhe des Magenausgangs ist nämlich das Vorhandensein bestimmter Bakterien. Wiederholte Mageninfektionen durch Nahrungsmittelvergiftungen aufgrund verdorbener Lebensmittel können auch schon in recht jungen Jahren Magenkrebs verursachen. Im 20. Jahrhundert ist diese Erscheinungsform von Krebs höchstwahrscheinlich durch die einschneidenden Verbesserungen der Nahrungsmittelproduktion und -konservierung zurückgedrängt worden. Im 19. Jahrhundert war die Erkrankung allerdings ein weit verbreitetes Problem, für das die Chirurgen keine Lösung hatten – was besonders frustrierend war. Denn an einem Geschwür am Magenausgang zu sterben, bei ständigen Schmerzen, Erbrechen und Durst zu verhungern, ist ein menschenunwürdiges Ende. Man stirbt quasi als lebende Leiche.

Wie gefährlich Bakterien und Keime sein konnten, zeigt eine Verordnung, die im Braugasthaus Vetter in Heidelberg an der Wand verewigt ist:

Der Bürgermeister gibt bekannt, daß am Mittwoch Bier gebraut wird und deshalb ab Dienstag nicht mehr in den Bach geschissen werden darf.

Bürgermeisterliche Verordnung im Braugasthaus Vetter in Heidelberg

Grundwasser war oft so durch Fäkalienkeime verseucht, dass die einzig sicheren Getränke Bier und Wein waren. Selbst Kinder erhielten verdünnten Wein, in Frankreich sogar bis in die 1950er Jahre in der Schule. Mit anderen Worten: jahrhundertelang waren die Menschen mehr oder weniger die ganze Zeit leicht angedüdelt, und das, weil sie sich vor verdorbenem Wasser schützen mussten. Erst mit der Einführung von Tee und Kaffee, wo Wasser aufgekocht und damit schädliche Keime zerstört wurden, kam die Menschheit von ihrer jahrhundertelangen Betrunkenheit herunter und wurde nüchtern. Dass damit die industrielle Revolution einsetzte, ist wohl kein Zufall.

Nicht nur Keime und Bakterien lauerten auf uns, auch die Lebensmittelverarbeitung barg so manchen Fallstrick. Bei Skelettfunden aus vergangenen Jahrhunderten fällt oft die schon zu Lebzeiten schlechte Zahngesundheit der Begrabenen auf. Ich spreche nicht von Karies, unter der früher vor allem Wohlhabende litten, weil sie sich Zucker leisten und überkonsumieren konnten – mitgetragen von nicht vorhandener Zahnpflege. Die Fertigungsqualität von Getreidemühlen war oft so schlecht, dass Mühlsteine sich langsam auflösten, indem der Mühlstein Sand abrieb, der dann im Mehl landete. damit wurden die Zähne über die Jahre regelrecht abgeschmiergelt. Schlechteren Kauwerkzeugen wiederum führten neben Zahnschmerzen zu schlechterem Kauen und damit schlechteren Verdauen. Der Magen mussten Mehrarbeit leisten.

Der Preis von Lebensmitteln

Mitte des 19. Jahrhunderts gingen 60 Prozent des Einkommens von Durchschnittsverdienern für Essen auf, heute sind es nur mehr 15 Prozent. Menschen arbeiteten damals vor allem, um sich Nahrung zu erwirtschaften. Damit waren die Preise von Lebensmitteln sehr wichtig, denn selbst kleine Preiserhöhungen konnten den Hungertod bedeuten. Die irische Auswanderungswelle wegen der Kartoffelfäule oder die Bierkriege in Deutschland wegen einer Preiserhöhung beim Bier sind einige der unzähligen Fälle, die drastische Auswirkungen auf eine Gesellschaft hatten.

Nicht nur mussten die Menschen damals viel Arbeiten um sich Essen leisten zu können, die Qualität der Nahrungsmittel war auch lächerlich schlecht. Ständig musste man auf der Hut sein, frische und gesunde Lebensmittel zu finden. Lebensmittelvergiftungen, Durchfall oder Wurmbefall waren ständige Gefahren und erforderten einen Magen aus Stahl. Die mangelnde Qualität führte oft auch zum Tod.

Heute kann man das ebenso noch erleben, man muss nur reisen. In Moskau stieß ich in den 1990er Jahren einmal auf einen überdachten Bauernmarkt, wo der Gestank von rottendem Fleisch, auf denen sich die Fliegen tummelten, tief in die Nase bohrte. Auch in Bangalore besuchte ich 2013 und ein paar Jahre später wieder einen großen Markt, wo sich die Käufer auf mit Blut und Flüssigkeiten überströmten Gängen zwischen verdorbenem Fleisch durchschlängeln mussten. Was ich zuerst als Tauben oder Krähen an den Dachsimsen der zweistöckigen Markthalle wahrgenommen hatte, stellte sich bei genauerer Betrachtung als Aneinanderreihung von Raubvögeln dar, die auf die Gelegenheit warteten, dass sie in fallen gelassenes Stück Fleisch vom nassen Boden aufpicken konnten.

Dazwischen befanden sich lebende Tiere in Käfigen, und die freilaufenden Exemplare stöberten im überall anzutreffenden Müll am Boden. Die olfaktorische Erfahrung des „natürlichen“ Kreislaufes war umwerfend, und das, bevor irgendein Stück davon gegessen worden war. Die Fotos, die ich damals dort aufgenommen habe, sprechen für sich selbst.

Und das entsprach bis zur Zeit unserer Großeltern- und Urgroßelterngeneration der Situation auf den heimischen Märkten. Die hygienischen Zustände waren katastrophal. Man vergesse auch nicht, dass erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Theorie zu Bakterien und Viren durch Forscher wie Louis Pasteur oder Robert Koch entwickelt wurde. Erst ab da verstand man, dass nicht Miasmen – „schlechte Luft“ – sondern eben diese kleinen Viecher für Vieles, und oft nicht Gutes, verantwortlich waren. Und Bakterien befanden sich überall. Es ist wahrscheinlicher, dass die Natur uns umzubringen versucht, als dass sie uns wohlwollend gegenübersteht.

Neue Züchtungs- und Anbaumethoden, aber auch wie Getreide, Reise, Gemüse oder Obst geerntet wird, wie sie vor Schädlingen geschützt und haltbar gemacht werden, und wie mehr Ertrag erwirtschaftet werden kann, haben einen Einfluss auf die Lebensmittelpreise. In ihrem Buch Superabundance: The Story of Population Growth, Innovation, and Human Flourishing on an Infinitely Bountiful Planet legen die Autoren Gale L. Pooley und Marian L. Tupy umfangreiches Zahlenmaterial vor, das die Preisentwicklung von Rohstoffen und Lebensmitteln über die Jahrhunderte zeigt.

Dabei ziehen sie den sogenannten Zeitpreis (im Englischen Time Price) heran, der berechnet, wie viel Zeit Menschen arbeiten mussten, um sich eine bestimmte Menge eines Produktes leisten zu können.

Nehmen wir Raj in Indien und Ray in Indiana. Im Jahr 1960 verbrachte Raj sieben Stunden am Tag damit, das Geld zu verdienen, das er für den Kauf von Reis für seine Mahlzeiten benötigte. Im Jahr 2018 ist der Preis für Reis um 86,2 Prozent gesunken. Jetzt arbeitet Rajs Enkel nur noch 58 Minuten, um seinen Reis zu kaufen. Rajs Enkel hat sechs Stunden und zwei Minuten, um etwas anderes zu tun. Im Jahr 1960 verbrachte Ray eine Stunde am Tag damit, genug Geld zu verdienen, um Weizen für seine Mahlzeiten zu kaufen. Im Jahr 2018 war der Preis für Weizen um 87,5 Prozent gesunken. Jetzt arbeitet Rays Enkel nur noch siebeneinhalb Minuten, um seinen Weizen zu kaufen. Rays Enkel hat jetzt 52,5 Minuten Zeit, um etwas anderes zu tun, z. B. zu arbeiten, um andere Waren zu kaufen, zur Schule zu gehen oder sich einfach zu entspannen.

Reis und Weizen waren keine Ausnahme. Egal um welche Rohstoffe, Lebensmittel oder Gebrauchsgüter es sich handelt, wir benötigen heute weniger Zeit an Arbeit, um uns dieselbe Menge leisten zu können. Die Autoren stellten fest, dass der durchschnittliche Zeitpreis der 50 Grundrohstoffe um 75,2 Prozent fiel.

Warum ist Bio teurer?

Wenn man nun bei biologisch angebauten Lebensmitteln weniger an Pflanzenschutzmittel, Dünger, Zusatzstoffe und Verarbeitung einsetzt, warum sind die dann teurer? Ganz einfach: der Ernteertrag bleibt hinter konventionellen Anbaumethoden teils drastisch zurück, wie die Fachzeitschrift Agrar heute berichtet:

Im Obstbau macht das etwa zwischen 3 und 11 Prozent aus, der Bio-Raps bleibt bei 55 Prozent des konventionellen Ertrags, der Bio-Weizen sogar nur bei 43 Prozent. Das bedeutet im Umkehrschluss, es bräuchte viel mehr Flächen, um ähnliche Mengen wie konventionelle Landwirte zu erzeugen

Es bedeutet vielleicht zwar mehr Bio und Tier- und Artenschutz, aber nicht unbedingt mehr Klimaschutz. Mehr landwirtschaftliche Fläche muss verwendet werden, was einen erhöhten Einsatz von landwirtschaftlichen Maschinen und damit Energieverbrauch bedeutet.

Zusammenfassung

Wir haben heute mehr, bessere und billigere Lebensmittel als je zuvor. Uns steht eine größere Auswahl an Lebensmitteln zu Verfügung, die wir zu jeder Jahreszeit in hoher Qualität und zu niedrigen Preisen beziehen können. Wir brauchen nur wenige Jahrzehnte zurückgehen, um zu sehen wie viel besser wir heute versorgt sind, als Menschen vor 50 oder 100 Jahren.

Mit den neuen Methoden, die beim Anbau, bei der Züchtung und bei der Verarbeitung eingesetzt werden, entstanden auch neue Probleme. Diese müssen gelöst werden, denn manche dieser Probleme sind wirklich ernst. Doch sich zu wünschen, die Uhr zurückzudrehen und die „gute alte Zeit“ wiederzubeleben, ist falsch. Gut war die Zeit eher nicht, unsere Erinnerung blendet die Nachteile aus, für die wir damals auch zu jung gewesen waren, um sie zu verstehen.

Wie Lebensmittel vor 50 Jahren angebaut, gezüchtet und verarbeitet wurden, unterscheidet sich von dem, was wir heute als „Bio“ bezeichnen würden. Es war der damalige Stand der Agrartechnik, der den damaligen Stand der Gesundheit der Menschen bestimmte. „Food“ damals war definitiv weniger „medicine“ – um den LinkedIn-Post zu zitieren – als was wir heute zu uns nehmen.

Verbessern können wir die Qualität der Lebensmittel aber immer, doch es wäre falsch der Vergangenheit nachzuweinen und uns dorthin zu wünschen. Vor die Wahl gestellt würden Hannah Samira Schmidt und andere Nostalgiker wohl rasch auch wieder ins 21. Jahrhundert und den hiesigen Lebensmitteln zurückkehren wollen.

Ein Gedanke zu “Heute muss man „Bio“ draufschreiben, und früher einfach nur „Geflügel“ und „Ei“?

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