SpaceX, Elon Musks Weltraumfirma, die als die fortschrittlichste Raumfahrtorganisation der Welt gilt und noch vor wenigen Jahren die als unmöglich betrachtete Landung von Raketenstufen in fast 300 Landungen gemeistert hat, legte heute eines drauf. Das größte je konstruierte Raketen- und Raumschiffsystem Super Heavy mit Starship, die zusammen eine Länge von 120 Metern aufweisen, startete heute zum fünften Testflug. Dabei wurde zum ersten Mal nicht nur die Landung des Super Heavy Boosters versucht, sondern das „Einfangen“ der Raketenstufe mit dem Startturm.
Geplant war dabei die Rückkehr der Raketenstufe zum Turm, der dann mit seinen Greifarmen die Rakete umfassen und halten sollte. Was soll man sagen: so durchgeknallt und unmöglich es klang, es gelang auf Anhieb. Das von SpaceX live übertragene Video zeigt den Moment, als die Raketenstufe mit Überschallgeschwindigkeit sich nähert, die Bremsraketen starten und den Booster zum Turm manövrieren und senkrecht halten. Und das Unglaubliche gelingt.
Ließe sich schon viel zu der technischen Meisterleistung selbst sagen, so will den Fokus auf etwas Anderes setzen, nämlich den Jubel der Ingenieure bei SpaceX. Dem Raumfahrtunternehmen gelingt es immer wieder, geschickt inszenierte Aufnahmen von den hunderten Starts und Landungen live zu zeigen, und dabei auch in die SpaceX-Zentrale zu schalten, wo man die Reaktionen der Menschen hinter dieser Technologie verfolgen kann.
Begeisterung und Inspiration
Die Begeisterung, die Freude über den Erfolg, der Jubel und das Zusammengehörigkeitsgefühl sind greifbar und stecken an. Wer würde sich in diesem Moment nicht wünschen, ein Teil des Teams zu sein und die Früchte der schweren Arbeit gemeinsam zu erleben?
Wir sehen das bei uns eigentlich nur immer bei Fußballspielen oder anderen Sportereignissen. So wichtig diese sind, so wenig – Verzeihung, wenn ich das sage, aber so wenig nachhaltig sind sie. Wie haben gewonnene Fußballspiele die Welt verbessert und die Menschheit weitergebracht? Kaum, wenn sie auch viele Menschen glücklich gemacht haben.
Doch Ingenieur*Innen, Unternehmer*Innen und Menschen mit Visionen, Tatendrang und dem notwendigen Rückhalt können Erstaunliches schaffen. Und sie inspirieren, sie zeigen, dass nichts unmöglich ist, wenn man nur entsprechend rangeht, weitere Mitstreiter findet und fest dran glaubt.
Nicht nur die SpaceX-Mitarbeitenden feierten. Wie die Aufnahme aus einer anderen Perspektive eines Zuschauers aus der Ferne zeigt, feuern hier hunderte Menschen um das Raumfahrtzentrum die Raketenstufe an und jubeln ungehemmt, als der „Fang“ gelungen ist. Man beachte auch die vielen Kinder im Publikum. Sie werden wohl die nächste Generation an Ingenier*Innen bilden, die die nächsten technischen Meisterleistungen schaffen werden.
Und bei uns?
Wann haben wir das letzte Mal über eine technische Meisterleistung aus Deutschland so gejubelt? Wann sind wir zusammengekommen, um uneingeschränkt eine Ingenieursleistung zu feiern?
Mir will da nur der Zeppelin einfallen, der das ganze Land inspirierte und eine Begeisterungswelle auslöste. Wo immer es auftauchte stürmten Menschen auf die Straßen, kletterten auf Dächer und winkten de Luftschiff zu. Als das erste von Zeppelins Luftschiffen vom Wind fortgeblasen und beschädigt wurde, trudelten aus dem ganzen Deutschland Gelder ein. Diese wurde als Zeppelinspende des deutschen Volkes bekannt und brachte so viel Geld ein, dass damit gleich mehrere Luftschiffe gebaut werden konnte. Graf Zeppelin sah das als Auftrag seiner Landsleute, deren Vertrauen er nicht missbrauchen durfte.
Ehrlich gesagt, uns fehlt es im Land an solch technischen Inspirationen, die eine vergleichbare Begeisterung hervorrufen könnte. Denn die Stimmung ist schlecht, auch wenn es uns besser als je zuvor geht. Doch wir reden uns in den Niedergang und das ist eine selbstverstärkende Spirale. Die Medien fokussieren sich auf die negativen Aspekte neuer Technologien, wir bejammern alles, und finden das Haar in jeder Suppe.
Woran mangelt es?
Und wenn mal einer was probiert, dann regulieren wir ihn zu Tode oder sprühen Gift und Galle, wenn es, wie Elon Musk, jemand aus den USA oder China ist.
Dabei sehe ich an den Reaktionen meiner deutschsprachigen Kontakte auf sozialen Medien, wie sehr sie diese letzte Glanzleistung von SpaceX bejubeln und diskutieren. Mit anderen Worten: an Begeisterungsfähigkeit fehlt es uns nicht. An technischem Können auch nicht.
Aber sehr wohl an den Rahmenbedingungen, an Menschen aus Politik, Unternehmenskreisen, Intellektuellen und Ingenieuren, die mit Visionen vorausgehen und Menschen davon begeistern können. Stattdessen dominieren unsägliche Moralunternehmer, Kritiker, Warner und Besitzstandwahrer den öffentlichen Diskurs, den die Medien gerne so verbreiten, und ziehen damit Deutschland in den Niedergang. Ein Marcel Reich-Ranitzki, ein Richard David Precht oder die Leute die Markus Lanz einlädt, die deutsche Manager-Elite, die sich gegen Fortschritt wehrt (hallo Verbrenner!!), ganz zu schweigen von Politikern, die für Rückschritt und Nostalgie stehen wie Sarah Wagenknecht oder Markus Söder, die für Hass stehen wie Herbert Kickl oder Börn Höcke, oder die nur Zaudern und Zögern, wie Olaf Scholz.
Wir sollten das ändern. Heute und sofort. SpaceX zeigt uns, dass wir uns sehr wohl für technischen Fortschritt begeistern können. Wir sollten das dringend umsetzen.