Unpopuläre Meinung: Ich akzeptiere (fast) alle LinkedIn-Kontaktanfragen.
Bevor ich auf meine Gründe eingehe, möchte ich zuerst auf die Posts zum selben Thema eingehen, die ich oft von anderen LinkedIn-Nutzern gelesen habe, und die scheinbar durchwegs anderer Meinung sind,
Erstens lese ich immer wieder von vielen LinkedIn-Nutzern, dass sie sich fast beleidigt fühlen, wenn jemand sich mit ihnen auf LinkedIn verbinden möchte. Sie verlangen sogar, dass die Person, die sich verbinden möchte, ihre Motivation dafür beschreibt, also so eine Art Bewerbung abgibt. Ist diese Person überhaupt einer Verbindung würdig, ein wertvoller Kontakt ? Was die Frage aufwirft, welche Kriterien da angelegt werden?
Angesichts des begrenzten Platzes im Feld für Verbindungsanfragen kann man aber eigentlich gar nicht viel zu sich mitteilen, dazu müsste das Profil angesehen werden, doch tun das die Befragten? Wie auch immer, manche bleiben standhaft: wenn sie die Person nicht zuvor persönlich getroffen haben, wollen sie sich nicht verbinden.
Zweitens begründen sie ihre Ablehnung solcher Kontaktanfragen mit der Befürchtung, sofort mit Werbebotschaften usw. zugespammt zu werden. Das mag zwar der Fall sein, aber ehrlich gesagt habe ich noch nicht so viele Spam-Nachrichten erhalten, und wenn doch, ignoriere ich sie entweder oder blockiere sie, wenn sie zu lästig werden. Ein LinkedIn-Benutzer meinte, da schiene die German Angst durch, dass jemand – Got behüte – sich professionell verbinden wolle.
Warum akzeptiere ich also fast alle Kontaktanfragen?
A) Das ist der Zweck dieser Plattform: Kontakte zu Fachleuten knüpfen, ein persönliches Netzwerk aufbauen. Auch wenn Sie die meisten dieser Menschen nie kennenlernen werden, schläft der Zufall nie. Zu Serendipität kann es nur kommen, wenn man sie zulässt. ich betrachte die Chance, die sich aus einer Verbindung ergeben könnten, höher als die Risiken. Und wenn ich der Chance nie eine Chance gebe, dann kommt es auch nicht dazu.
B) Kontakte sind sowohl eine Informationsquelle, wie auch ein Publikum. Ich sehe Beiträge aus vielen verschiedenen Lebensbereichen, erhalte damit aber auch ein Publikum für meine eigenen Inhalte. Ja, die meisten Kontakte werden nie mit meinen Inhalten interagieren, aber gelegentlich wird es doch jemand tun, und plötzlich habe ich einen Zugang zu einer anderen Person oder zu Informationen, die ich ohne sie verpasst hätte.
C) Vielleicht nervt es dich, regelmäßig auf LinkedIn aktiv zu sein und dein Netzwerk zu pflegen, weil du so viel zu tun hast und dich vielleicht zu wichtig fühlst. Oder du denkst, es reicht, nur mit Leuten aus deinem eigenen Unternehmen oder deiner eigenen Branche in Kontakt zu bleiben. Aber es kann der Tag kommen, an dem du plötzlich auf Jobsuche bist. Ohne ein Netzwerk, das man im Laufe der Zeit stetig aufgebaut hat, wird es wahrscheinlich schwieriger, eine neue Stelle zu finden, wenn man nicht auf ein breites Netzwerk über Unternehmen und Branchen hinweg zurückgreifen kann. Und neue Stellenangebote kommen zumeist nicht von Kontakten ersten Grades, sondern von Kontakten zweiten oder dritten Grades. Jeder neue Kontakt ersten Grades ermöglicht es einem, auch ein breiteres Netz an Kontakten zweiten oder dritten Grades zu knüpfen.
D) Ich arbeite als unabhängiger Technologie-Trendforscher, daher ist es für mich wichtig, meine Stimme zu erheben und meine Arbeit bekannt zu machen, um neue Möglichkeiten zu finden. Jede Kontaktanfrage (und jeder neue Follower) gibt mir das Feedback, dass sie meine Arbeit und meine Stimme interessant genug finden, um diesen Schritt zu wagen und Kontakt aufzunehmen. Es ist so als ob sie mich in ihre Lesezeichen aufnehmen. Warum sollte ich also nicht akzeptieren, mich mit ihnen zu verbinden?
Mein Fazit: Der Aufbau eines Netzwerks und die Aufnahme aller in meinen Kreis schafft Chancen. Dies zu verweigern, wäre, als würde man sich die Gliedmaßen abschneiden, die bereit sind, nach neuen Chancen zu greifen. Ich verstehe aber auch, dass ich als männlicher LinkedIn-Nutzer, der selbstständig arbeitet, möglicherweise in einer anderen Position bin und dass Sicherheit und/oder „seltsame” Interaktionen für andere möglicherweise wertvoller sind als eine weitere Verbindung.
Was ist deine persönliche Philosophie in Bezug auf Kontaktanfragen auf LinkedIn?