Die Welt steht vor einem großen Wandel, und das nicht nur im geopolitischen Sinn. Mit Trump in den USA, Putin in Russland und seinem Aggressionskrieg in der Ukraine, und dem Gebaren von Diktatoren weltweit ist das internationale Gefüge im Umbruch. Doch auch neue, mächtige Technologien tragen dazu bei, und dabei an vorderster Front die künstliche Intelligenz.
Hunderte Milliarden werden gerade investiert, um Datenzentren zu bauen, die Chatbots, KI-Agenten und physische KI in Form von autonomen Autos oder Robotern zu steuern. Es ist ein Goldrausch und einer der größten technologischen Änderungen, die wir in der Menschheitsgeschichte je erlebt haben.
Und dabei entstehen Ängste. Werden Jobs gefährdet? Was ist, wenn die KI einen Fehler macht? Sollten wir nicht ein Moratorium oder gar einen Bann für diese Technologie aussprechen?
Das Bekannte und Akzeptierte an alten Technologien
Solche Befürchtungen entstehen immer dann, wenn man die Risiken einer neuen Technologie (noch) nicht abschätzen kann. Egal, ob heute jährlich mehr als eine Million Menschen weltweit bei Autounfällen ums Leben kommen und 10 bis 12 Millionen verletzt werden. Uns ist diese Technologie vertraut, wir nutzen sie täglich, wissen um deren Wert, ja, und wir wissen auch, wie sie in Kriegen eingesetzt werden kann, manche Menschen ausrasten und andere absichtlich anfahren, und manche unabsichtlich und Menschen zu Schaden kommen. Doch wir akzeptieren sie, weil die Technologie so nützlich ist. Doch auf ein Titelblatt kommen Verkehrsunfälle nicht, denn sie sind kaum ein Aufreger, außer es gibt bei einem Unfall eine unerhörte Anzahl an Opfern. Dann wird lautstark noch strengeren Regeln und höheren Strafen gerufen, nur damit es recht rasch wieder aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwindet.
Das Unbekannte von neuen Technologien
Von einer neuen Technologie hingegen kennt man weder die Vorzüge, noch die Risiken. Wie sie uns helfen kann ist noch kaum bekannt, weil sie erst am Anfang des praktischen Einsatzes steht und nur die wenigsten damit ausführliche Erfahrungen gemacht haben. Die Vorstellungskraft, wie sie positiv eingesetzt werden kann, stößt bei vielen Menschen an eine Grenze. Ein Phänomen, das wohl auch mit dem System in dem wir uns bewegen zu tun hat.
Doch die Fantasie beginnt eine ungehemmten Wildwuchs zu treiben, wenn es um die Risiken geht. Da fallen uns viele Dinge ein, was alles schief gehen könnte, und selbst vor den absurdesten Dingen scheut man nicht zurück. Ein gutes Beispiel ist das Trolley Problem, das bei autonomen Autos immer wieder zur Sprache kommt. Fragt man die Leute nach ihren eigenen Erfahrungen, wie häufig sie vor diesem Trolley-Problem selbst bereits gestanden sind, ob sie in der Fahrschule je davon gehört oder dafür geübt haben, dann kommt immer ein Nein.
Titelbilder
All das manifestiert sich in Coverstories, die das Dystopische, die Untergangsszenarien an die Wand malen. DER SPIEGEL hat dabei wieder mal mit dem aktuellen Cover den Vogel abgeschossen. Ein Terminator, dazu, als ob das Bild selbst nicht bereits ausreichen würde, ein Titel „Tödliche Intelligenz“, und alles in dunklen, bedrohlichen Farben.

DER SPIEGEL folgt damit seiner eigenen, langen Tradition an Doomer-Covers. Allein zum Thema Roboter gab es schon eine Reihe von sorgenvollen Titelbildern, die das Ende der Menschheit unmittelbar bevorstehen sahen. Und kam es dazu. Natürlich nicht. Wir warten immer noch darauf.

Was nie so wirklich besprochen wird, und wenn, dann nicht auf das Titelblatt schafft, sind heute schon reale Gefahren. So sind diese folgenden zwei Covers nie erschienen, auch wenn viel mehr Menschen durch diese beiden Werkzeuge sterben. Und das jeden Tag.
DER SPIEGEL ist bei weitem nicht das einzige Medium, das negativ Schlagzeilen über KI auf das Titelblatt hebt. So wird immer wieder von der „KI-Blase“ gesprochen, die wohl bald platzen würde.

Ein bezeichnendes Beispiel war vor einigen Tagen das Interview in der österreichischen Nachrichtensendung ZIB2, wo der Moderator Armin Wolf den Entwickler der KI-Agentensoftware OpenClaw, Peter Steinberger, zu Gast hatte. In den 24 Minuten stellt Armin Wolf vorrangig Fragen zu Risiken und Gefahren der Technologie, er fragt kein einziges Mal, wie sie positiv eingesetzt wird.
Wolf hat das gerechtfertigt, dass seine Aufgabe als Journalist ist, kritische Fragen zu stellen. Doch die vielleicht wichtigste hat er nicht gestellt: wieso ein solches Talent wie Peter Steinberger nicht in Österreich gehalten werden kann und in die USA auswandert, wo er nun beim Hersteller von ChatGPT, OpenAI, eine Stelle antritt.
Medien-Schizophrenie
Auf der anderen Seiten jammern dieselben Medien über den Rückstand der eigenen Industrie und des eigenen Landes bei der Entwicklung und Anwendung von künstlicher Intelligenz. Wichtige Kommentare, wie ein Talent wie Peter Steinberger mit Europa „abrechnet“werden da geschrieben, ohne zu realisieren, dass diese vorwiegend negative Berichterstattung ihrer eigenen Redaktion zu KI genau genau zu dieser negativen und angstvollen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit führte.
Die Medien leisten ihrem Land einen Bärendienst. Wenn die Berichterstattung zu KI nach einer Sentimentanalyse ergibt, dass die Beiträge zwischen 60% bis 90% negativ zu KI eingestellt sind, wenn die Coverstories vor allem die Gefahren und Risiken in den dunkelsten Farben darstellen, dann ist man nicht ganz unschuldig daran, dass die heimischen Talente dorthin gehen, wo sie einen positiven Beitrag leisten können, und die eigene Industrie, Politik und Gesellschaft mit der Anwendung zögert, der Technologie sofort Riegel vorschiebt und Leute nichts damit zu tun haben wollen. Den Industrie- und Wirtschaftsstandort wird man damit aber nicht aufrecht erhalten können.
Die Medien tragen mit ihrer Art der Berichterstattung Verantwortung zu dieser Zukunft. Momentan versagen sie dabei.



Ein großer Teil der schlechten Stimmung kommt wohl daher, daß der Neoliberalismus seit längerem bewiesen hat, daß Firmengewinne (also noch mehr Reichtum für schon überreiche Menschen) in dieser Gesellschaft vor den nicht-so-überreichen Menschen kommen. Wenn diese Priorität so bleibt, ist AI wohl wirklich eine Bedrohung für die meisten Menschen und hilft nur den wenigen, die die AI-Firmen besitzen.