Scientist-astronaut Harrison Schmitt

Was ist dein Mondgestein?

Joe Biden, der 46. amerikanische Präsident, hat, wie schon andere Präsidenten vor ihm, das Oval Office mit Gegenständen ausstatten lassen, die ihn inspirierten und Besuchern wiederspiegeln sollen, für welche Prinzipien er steht. Ein kurioses Detail ließ aber aufhorchen. Unter den Gegenständen, die auf einem der Bücherregale weilen, befindet sich ein versiegelter, mit Stickstoff gefüllter Glass-Aluminiumbehälter, in dem sich ein kleiner Stein befindet. Nicht irgendein Stein und auch keiner von unserem Planeten, sondern einer vom Erdtrabanten, dem Mond.

Mondgestein – Quelle: NASA

Diese Mondprobe 76015,143, ganze 332 Gramm schwer, war von den Astronauten auf der letzten der Mondmissionen, Apollo 17, beim dritten und letzten Mondspaziergang am 13. Dezember 1972 eingesammelt worden. Auf dem Behälter findet sich ein Etikett, das erklärt, wie das Gestein zurück zur Erde kam:

Der Apollo-17-Kommandant Gene Cernan und der Geologe und Mondlandefährenpilot Harrison Schmitt „hackten diese Probe aus einem großen Felsbrocken an der Basis des Nordmassivs im Taurus-Littrow-Tal“ des Mondes.

Im selben Monat hatte Joe Biden als 30-jähriger seine erste Wahl zum US-Senator für den Bundesstaat Delaware gewonnen, und sollte dann im Jänner 1973 angelobt werden. Achtundvierzig Jahre später wurde Biden wieder angelobt, diesmal aber als Präsident der Vereinigten Staaten. Und er hatte die Bitte deponiert, ein Mondgestein von der NASA für das Oval Office zur Verfügung gestellt zu bekommen. Dem Wunsch kam die NASA nach.

Für Biden steht diese Mondprobe als Erinnerung für Amerikaner an den Ehrgeiz und die Errungenschaften früherer Generationen. Er ist aber nicht der erste US-Präsident, der ein Mondgestein in seinem Büro aufbewahrt. Bill Clinton erhielt einen im Juli 1999 während der Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der ersten Mondlandungen. Die Apollo-11-Astronauten – Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins – überreichten Clinton bei einem Besuch im Oval Office am Tag des Jahrestages ein Mondgestein, das sie gesammelt hatten, ebenfalls in einer versiegelten Vitrine. In einem Interview mit dem Astrophysiker Neil deGrasse Tyson aus dem Jahr 2015 sagte Clinton, das Mondgestein sei „das Wertvollste, was ich für die Perspektive der Politik im Weißen Haus hatte.“

In den letzten zwei Jahren seiner Präsidentschaft, so erzählte Clinton deGrasse Tyson, hatte er das Apollo-11-Mondgestein stets griffbereit. „Wenn wir Republikaner und Demokraten im [Oval Office] hatten, oder Leute auf zwei Seiten irgendeines Themas, und sie begannen wirklich, wirklich außer Kontrolle zu geraten, sagte ich: ‚Warten Sie, warten Sie, warten Sie – sehen Sie dieses Mondgestein? Er ist 3,6 Milliarden Jahre alt. Wir sind hier alle nur auf der Durchreise. Und wir haben nicht sehr viel Zeit. Also beruhigen wir uns und überlegen uns, was das Richtige ist.‘

„Und es hat jedes Mal funktioniert“, sagte Clinton. „Sie schauten auf ein Objekt, das zu einer Zeit existierte, die sie sich kaum vorstellen konnten. Und es gab ihnen einfach dieses bisschen Raum in ihrem Geist und ihrer Seele, um herauszufinden, okay, lass uns das noch einmal machen.“

Wenn also zwei amerikanische Präsidenten ein kleines aber feines Stückchen Gestein als Mittel zur Inspiration und zur Zusammenarbeit von Menschen mit unterschiedlichen Meinungen verwenden können, weil es daran erinnert, wie klein wir und unsere Probleme und wie groß die Welt ist, dann dürfen wir uns fragen: Was ist unser „Mondgestein“?

Die Rolle des Mondgesteins ist die eines „impression amplifiers„, eines Objekts das den Eindruck verstärkt und hilft, Menschen schneller von Ideen zu überzeugen. Elon Musk weiß das hervorragend einzusetzen. Er stellt schon mal bei einem Vortrag vor dem National Air and Space Museum in Washington D.C.  eine SpaceX-Rakete auf oder bringt den Cybertruck auf die Bühne, den er dann mit Hammer und Metallkugel bearbeitet, um zu zeigen, dass keine Kratzer und Splitter abfallen. Selbst wenn das schief geht – wie es beim Cybertruck geschah – stört das nicht, denn es generiert noch viel mehr an Berichterstattung.

Wenn wir von Bill Clinton, Elon Musk und Joe Biden lernen wollen, dann wie sie solche Objekte der gemeinsamen Errungenschaften gezielt dazu einsetzen, Ideen zu kommunizieren, Inspiration zu bieten, und Divergenzen zu überkommen. Was ist dein Mondgestein?

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