Zeitleiste von Impfstoffentwicklungen

Während die COVID-Impfkampagnen in allen Ländern unterwegs sind und Beschränkungen langsam wieder aufgehoben werden, sollten wir auch mal innehalten und erkennen, wie wenig selbstverständlich es ist, dass es diese Impfstoffe gibt. Mit Moderna, BionTech/Pfizer, Johnson&Johnson, AstraZeneca, Sputnik V und Sinovac gibt es gleich sechs Impfstoffe, die nach weniger als einem Jahr nach Ausbruch der Pandemie zur Verfügung standen. Tatsächlich lagen die Baupläne für die Vakzine bereits wenige Tage nach dem Vorliegen der COVID-Gensequenz vor, die klinischen Tests die sich über Monate streckten, nahmen die meiste Zeit in Anspruch, auch wenn sie wegen der Dringlichkeit der Situation durch beschleunigte Testprogramme geschleust wurden.

Die Geschwindigkeit ist insofern beeindruckend, als die Entwicklung traditioneller Impfstoffe mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte in Anspruch nimmt. Bei einer globalen Pandemie ist das allerdings eine unakzeptable Zeitdauer.

Das Magazin Nature veröffentlichte eine Gegenüberstellung von verschiedenen Impfstoffen und deren Entwicklung. Wir sehen dabei, dass an einigen Krankheiten, wie beispielsweise Malaria oder Tuberkulose, bereits seit mehr als 100 Jahren an Impfstoffen – bislang erfolglos – geforscht wird. Für andere Krankheiten dauerte die Entwicklung eines Impfstoffes Jahrzehnte. Die Studienautoren berechnen die Entwicklungsdauer bis zum Zeitpunkt der Zulassung durch die amerikanische Behörden. Selbst die bislang kürzeste Entwicklungsdauer für Masern lag bei zehn Jahren.

Zeitleiste der Innovationen bei der Entwicklung von Impfstoffen – Quelle: Nature

Hinter der Beschleunigung der Impfstoffentwicklung und dem Erproben eines neuen Ansatzes steht übrigens die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), die amerikanische Behörde für Sprunginnovationen, die 1958 zuerst als Advanced Research Projects Agency (ARPA) aus dem Office of Scientific Research and Development hervorgegangen war. 2011 brachte die DARPA Wissenschaftler und Unternehmen zusammen, um einen neuen Ansatz der Impfstoffentwicklung zu starten.

Die militärische F&E-Agentur glaubte, dass Impfstoffe auf Nukleinsäurebasis viel schneller entwickelt werden könnten als mit herkömmlichen Technologien. Sie gab 2017 als hochgestecktes Ziel aus, eine DNA/RNA-Vakzine innerhalb von 60 Tagen zu entwickeln und gab dafür Forschungsgelder aus. So erhielt Moderna als erstes Unternehmen 25 Millionen Dollar an Forschungsförderung.

Der Grund, warum eine militärische Behörde wie die DARPA Forschungsgelder für Impfstoffentwicklung ausgibt, ist leicht verständlich. So starben im Ersten Weltkrieg mehr Soldaten an Wundbrand und Seuchen, als durch die Kriegshandlungen selbst. Erst durch die Entwicklung von Antibiotika oder Penizillin gingen diese Zahlen zurück und ersparten im Zweiten Weltkrieg vielen Soldaten und Zivilisten das Schicksal ihrer Vorfahren. Impfstoff und deren Entwicklungsverfahren sind somit militärisch relevant.

Es ist zu erwarten, dass die Erfolge bei der so raschen Entwicklung von COVID-Vakzinen nun auch bei anderen Impfstoffen zu tragen kommen wird. Nicht nur wird die Entwicklung schneller, sie wird auch kostengünstiger. Damit werden auch bislang für pharmazeutische Firmen und Forschungslabors wenig profitable oder „unwirtschaftliche“ Krankheiten attraktiv.

Zugleich zeigt uns die COVID-Pandemie auch deutlich, dass von Menschen geschaffene Technologie unser Leben erst lebenswert und reichhaltig machen kann. Ohne Technologie würden an COVID erkrankte Menschen wie die Fliegen sterben und unser Leben noch sehr viel länger eingeschränkt bleiben. Das Leben der Menschen ohne Impfstoffe und mit im Schnitt alle 30 Jahren auftretenden Seuchen war in der Vergangenheit von solchen Disruptionen geprägt. Dass wir moderne Menschen im 21. Jahrhundert innerhalb so kurzer Zeit die Seuche im Griff haben und wieder zu einem normalen Alltag übergehen können, ist einzig und allein dem menschlichen Erfindungsreichtum den von uns geschaffenen Technologien möglich. Das, bei aller vorherrschenden Technologieskepsis, ist die wahre positive Nachricht aus letzten Jahr.

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