Schizophrenes Deutschland: Lamentieren über Deindustrialisierung hier, Bekämpfung Teslas da

Ein Terroranschlag gegen die Stromversorgung für die Tesla-Fabrik legte vor ein paar Wochen die Produktion lahm. Demonstrationen und Besetzungen des vorgesehenen Geländes sorgten vor dem Bau der Fabrik für wochenlange Aufregung. So wird der Wasserverbrauch von Tesla ständig als Killerargument hervorgekramt, auch wenn andere Betriebe in der Umgebung ein Vielfaches der Amerikaner an Wasserressourcen verbrauchen. Jedes neue Vorhaben von Tesla in Deutschland wird öffentlich kritisiert und man fragt sich: Wieso tut sich Tesla das an? Sind die masochistisch veranlagt?

In anderen Nachrichten bejammern die Politiker, Medien und die Öffentlichkeit die fortschreitende Deindustrialisierung Deutschlands. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bestätigt einen seit zehn Jahren anhaltenden Trend, bei dem die Zuflüsse, also Investitionen die nach Deutschland kommen, um ein Vielfaches von den Abflüsse, also Investitionen, die von heimischen Unternehmen im Ausland getätigt werden, übertroffen werden. Die Differenz ergibt die Nettoabflüsse.

Investitionen in den Standort Deutschland sinken: Zuflüsse und Nettoabflüsse

Für das Jahr 2023 scheinen Zuflüsse von 22 Milliarden Euro auf, die aber durch die Investitionen heimischer Unternehmens ins Ausland insgesamt zu Nettoabflüssen von 94 Milliarden Euro führen. Mit Ausnahme des COVID-Jahres 2020 lagen die Nettoabflüsse zwischen 2013 und 2023 jedes Jahr zwischen 20 und 125 Milliarden Euro.

Christian Rusche, Senior Economist für Wettbewerb und Strukturwandel am IW Köln und Autor der Studie, deutet es nicht mehr als Ausnahmeerscheinungen, sondern als das erste Symptome einer Deindustrialisierung. In der Tat lag die Produktion im produzierenden Gewerbe im Dezember 2023 deutlich unter den Werten von 2015.

Wir können nun lang und breit Gründe aufführen, warum Deutschland sich mitten in der Deindustrialisierung befindet. Die schrumpfende und alternde Bevölkerung; der überbordende bürokratische Aufwand; die digitale Wüste, die Deutschland darstellt; eine zunehmend technologie- und wissenschaftsfeindlich werdende Bevölkerung; Gesetze und Regulierungen wie die Datenschutzgrundverordnung oder EU AI Act, die Aufwände verursachen und Verunsicherung bringen; fehlende politische Visionen für einen Wirtschaftsstandort; Selbstzufriedenheit; Arroganz und Sättigung der deutschen Wirtschaftstreibenden aufgrund vergangener Erfolge; oder auch die Veränderungsangst, die auf allen Ebenen zu Gegenreaktionen oder Passivität gegenüber Neuerungen und notwendigen Schritten führt.

Deutlich sichtbar manifestiert sich das allerdings an Tesla. Da beschließt eines der innovativsten Unternehmen des letzten Jahrzehnts Deutschland Vertrauen entgegenzubringen und für eine neue Produktionsstätte im Land Milliarden zu investieren und damit zehntausende Arbeitsplätze zu schaffen und für entsprechende Steuereinnahmen und Wirtschaftswachstum in der Region zu sorgen, und was passiert? Man erhebt sich vom Jammern über den wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands und kippt nicht nur Müll über Tesla, sondern wird sogar handgreiflich.

Auch wenn es sich vielleicht nur um eine kleine Minderheit handeln mag, sie ist sehr lautstark und die Signalwirkung über die deutschen Grenzen hinaus ist denkbar schlecht. Denn Tesla ist nicht irgendein Unternehmen, sondern eines, das aufgrund seiner Innovationskraft und Rolle bei der Disruption in der Mobilität im Fokus der internationalen Öffentlichkeit steht. Die Proteste gegen Tesla in Deutschland sind Warnungen für jedes weitere Industrieunternehmen, das mit dem Gedanken spielt, in Deutschland zu investieren.

Was also will man jetzt eigentlich in Deutschland?

2 Gedanken zu “Schizophrenes Deutschland: Lamentieren über Deindustrialisierung hier, Bekämpfung Teslas da

  1. Aus dem Land der Dichter & Denker wurde das Land der Motzer & Bedenkenträger. „Vorsprung durch Technik“ lautete mal der Slogan von Audi. Heute sollte man den durch „wir hecheln noch nicht mal hinten nach, sondern reden es einfach schlecht“ ersetzen…

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