News Déjà Vu – Der Nachrichtenzwilling aus der Vergangenheit

Jeder Zeit ihre Ängste. Aufmerksame Nachrichtenlesende könnten leicht zum Schluss komme, dass wir in der schlechtesten aller Zeiten leben, angesichts all der politischen und technologischen Entwicklungen, die nicht anders als in einen Zerfall unserer Zivilisation münden müssen. Klimawandel, Krieg in der Ukraine und Israel, Säbelrasseln in China, künstliche Intelligenz die auf dem Weg ist uns wahlweise zu versklaven, zu töten und arbeitslos zu machen, heutige Generationen die nicht arbeiten wollen, vor dem Handy verdummen und das Gehirn von Influencern auf Tik Tok weichgespült kriegen.

In den vergangenen Ängsten wurde der Sinn des Baus der Golden-Gate-Brücke in San Francisco in Zweifel gestellt, vor der Aufzugskrankheit gewarnt, der Bostoner U-Bahntunnel als ungewollt, der als unbritisch und zu „französische“ Regenschirm verachtet, und natürlich die Impfungen als gegen die Gottesnatur bezeichnet. Heute lächeln wir zumeist nur mehr vor diesen Ängsten, denn diese Technologien oder Bauwerke sind selbstverständlicher Teil unseres Lebens geworden.

Das Pessimists Archive findet immer wieder Schmuckstücke aus der Vergangenheit, in denen vor den Gefahren von Technologien wie dem Fahrrad, dem Flugzeug, dem Spiegel, dem Stethoskop oder dem Teddybären gewarnt worden war, und die im Ton und in ihren Argumenten verblüffend den Ängsten vor aktuellen Technologien und Entwicklungen gleichen. Dabei trat und tritt immer ein Typus Mensch auf, der damit seinen Lebensunterhalt verdient: der Moralunternehmer. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt und ihr Ansehen damit, vor neuen Technologien zu warnen. Würden wir sie nicht regulieren und zur Natur zurückkehren, dann drohe das Ende der Zivilisation wie wir sie kennen. Richard David Precht oder Anders Indset sind Paradebeispiel von solchen Moralunternehmern.

Die Gefahr darin besteht weniger in den Technologien oder Entwicklungen,vor denen sie warnen, sondern in einer negative und ängstlichen Leitkultur, die sie schaffen und mit denen sich Gesellschaften aus dem internationalen Wettbewerb schaffen.

Was bislang das Pessimists Archive oder Interessierte sich mühsam aus alten Zeitungen zusammenklauben mussten, um Vergleiche zu finden und damit gleichzeitig die Lächerlichkeit offenzulegen, kann nun dank einer aktuell Angst einflößenden Technologie – künstliche Intelligenz – automatisiert werden.

News Déjà Vu zielt darauf ab, heutigen Nachrichtenbeiträgen ähnlich klingende aus der Vergangenheit gegenüberzustellen. Dieser KI-basierte Service findet sozusagen den Nachrichtenzwilling, indem zunächst alle benannten Personen, Orte, oder Organisationen ausgeblendet werden. Das KI-Sprachmodell, das für die Erfassung semantischer Ähnlichkeit trainiert wurde, bildet dann jeden Nachrichtenartikel auf einen Vektor ab. Für einen bestimmten modernen Nachrichtenartikel wird dann der nächstgelegene historische Artikel in diesem Vektorraum gesucht und zurückgeliefert.

Ein heutiger Nachrichtenbeitrag, der von der Angst berichtet, dass KI viel Arbeitsplätze vernichten wird, wird gleichlautenden Ängsten aus der Vergangenheit zu Robotern oder Computern gegenübergestellt. Oder die Angst, dass Tik Tok die Menschen verblöden würde, werden ähnlichen Aussagen zu Fernsehen, Radio, Comics, Büchern oder Theater aus der Vergangenheit platziert.

Die Macher hinter News Déjà Vu zielen darauf ab, dieses KI-basierte Suchwerkzeug einem breiteren Publikum mit einer einfachen Benutzeroberfläche leichter zugänglich zu machen.

Viele teils absurde Beispiele zu solchen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Ängsten finden sich übrigens in meinem 2021 erschienen Buch Future Angst: Wie wir von Innovationsvorreitern zu Innovationsnachzüglern wurden und wie wir die German Angst überwinden.

FUTURE ANGST

Welche aktuellen Ängste prägen uns? Mit welchen Ängsten waren die Menschen in der Vergangenheit konfrontiert, als es die heutigen Technologien noch nicht gab? Warum mischen wir heute im Wettbewerb der Kulturen um neue Technologien nicht ganz vorne mit? Welche Maßnahmen müssen wir ergreifen, um neue Technologien nicht als etwas Beängstigendes und Feindseliges zu betrachten, sondern als ein Mittel zur Lösung der großen Probleme der Menschheit? Innovationsexperte Dr. Mario Herger stellt in „Future Angst“ die entscheidenden Fragen in Bezug auf Technologie und Fortschritt und zeigt professionelle und zukunftsweisende Lösungen auf. Mit seinem Appell „Design the Future“ bietet Herger einen unkonventionellen und transformativen Ansatz für ein neues, human geprägtes Mindset.

Erhältlich im Buchhandel, beim Verlag und bei Amazon.

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